Blase / Beckenboden

Der Beckenboden der Frau besteht aus zahlreichen Muskel- und Bindegewebsschichten, Bändern, Gefäßen und Nerven. Dieser komplizierte Aufbau des Beckenbodens ist notwendig, damit er wichtige Aufgaben erfüllen kann:

Öffnung und Verschluss von Blase und Darm 
Geburt 
Sexualität 
Schutz für die Bauchorgane

Selbst viele Ärzte haben bis heute nur ein unzureichendes Verständnis vom Beckenboden. Das liegt zum einen an dem nicht überschaubaren Zusammenwirken der zahlreichen Strukturen, vor allem aber an der fehlenden Kenntnis dessen, was sich abspielt.

Abb. 1
Becken der Frau mit Blase, Gebärmutter, Darm, Halte- und Stützbändern und Muskeln

 

 


Wie funktioniert der Beckenboden ?

Der Beckenboden arbeitet wie ein Trampolin, das aus einer Membran (Scheidenwände) und Federn (Bändern) besteht. Die Federn sind vorne, in der Mitte und hinten am Beckenknochen befestigt. Auf der Trampolinmembran ruht die Harnblase, die einem elastischen Gummiballon gleicht. Füllt sich die Harnblase mit Flüssigkeit, dann werden die Trampolinmembran und Federn zunehmend nach unten gedrückt.
Der Bereich der Blase, der von der Trampolinmembran getragen wird (Blasenboden), enthält Nervenendigungen, die durch Dehnung bei zunehmender Füllung gereizt werden. Die Signale werden dem Gehirn übermittelt, das auf diese Weise über die Füllung der Blase informiert wird. Ab einem bestimmten Füllungszustand gibt das Gehirn den Befehl zum Blaseentleeren. Ist es für die Patientin in dem Moment nicht möglich, ihre Blase zu entleeren, zieht die Beckenbodenmuskulatur das Trampolin mit Hilfe der Sprungfedern stramm. Der Blasenboden wird angehoben. Die Dehnung und damit die Reizung der Nervenendigungen nehmen ab und die Patientin hat nicht mehr den Drang, Wasserlassen zu müssen.

Dieser intelligente Mechanismus funktioniert nur dann, wenn alle Strukturen des Trampolins heil sind. Bei Überdehnung der Bänder oder der Membran, z.B. durch eine Geburt, oder bei zunehmendem Erschlaffen im Alter kann das Trampolin von den Beckenbodenmuskeln nicht mehr gespannt und damit der Blasenboden nicht mehr ausreichend angehoben werden. Membran oder Bänder hängen durch. Die Patientin verspürt schon bei geringer Blasenfüllung Harndrang gegen den sie nicht angehen kann.

Abb. 2 
Normaler Beckenboden, der wie ein Trampolin arbeitet. Er besteht aus einer Membran (rote Matte), Sprungfedern vorne, Mitte und hinten (rote Bänder), die an einem Rahmen (Beckenknochen, schwarz) befestigt sind. Auf dem Beckenboden liegt die Blase (gelb). Am Blasenboden befinden sich Nerven (blaue Punkte), die bei Füllung der Blase (hellblau) gereizt werden. 
 

Abb. 3
Wenn die Bänder oder die Membran überdehnt sind, ist das Trampolin nicht mehr funktionsfähig. Die Nerven am Blasenboden werden bereits bei geringer Füllung gereizt und signalisieren „ständigen Harndrang“.

Abhängig davon, an welcher Stelle das Trampolin am stärksten geschädigt ist, treten weitere Beschwerden auf:

Wenn das Gewebe vorne lose ist, kann die Harnröhre beim Husten, Niesen, Pressen, Laufen, Sport nicht mehr ausreichend verschlossen werden. Unkontrollierter Urinabgang (Einnässen) ist die Folge. Da die vorderen Bänder auch für den Darmverschluss von Bedeutung sind, können Schäden in diesem Bereich auch zu unkontrolliertem Abgang von Darminhalt führen.

Erschlafftes Gewebe in Beckenmitte geht oft mit häufigem Wasserlassen, ständigem Harndrang und Urinverlust vor Erreichen der Toilette einher.

Defektes Gewebe im hinteren Bereich ist eher mit Blasenentleerungsstörungen, nächtlichem Harndrang, Rücken- oder Unterleibsschmerzen  sowie einer Senkung der Gebärmutter oder Scheide  vergesellschaftet.

Das folgende Diagramm zeigt die Zusammenhänge zwischen den Beschwerden und dem Ort der Schädigung (vorne, in der Mitte, hinten)

Tabelle

Wenn man sich den komplizierten Aufbau der Beckenbodenarchitektur und des Zusammenspiels vor Augen hält, wird verständlich, dass ein Schaden an  einer Stelle vielschichtige Probleme hervorrufen kann. Nur über eine genaue, auf die einzelne Patientin zugeschnittene Diagnostik wird man den verursachenden Defekt  finden und gezielt behandeln können. Herkömmliche, auf dem alten Verständnis aufbauende Untersuchungsverfahren sind dafür nicht ausreichend geeignet.
Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich von den neuartigen Behandlungsmöglichkeiten von Prof. Petros überzeugt habe, konnten auch wir den Patientinnen wenig Hoffnung auf einen langfristigen Erfolg machen. In intensiver Zusammenarbeit mit ihm habe ich die Methode weiter verfeinert und kann jetzt ein völlig neues, umfassendes Konzept zur Behandlung von Störungen im Blasen- und Beckenbodenbereich anbieten. Die Heilungsrate liegt je nach Art und Ausmaß der Schädigung bei 80 bis fast 100 Prozent.

Organisch bedingte Sexualprobleme

Sexualität ist für viele Menschen kein Thema, wenn sie funktioniert. Ist sie aber gestört, kann sie zu einem großen Problem werden. Ein solches Problem tritt häufig bei Senkungszuständen der Gebärmutter oder Scheide, nach Geburten, nach Unterleibsoperationen oder mit dem Älterwerden auf. Sexualität ist für viele Frauen ein Thema, über das sie weder mit ihrem Partner noch mit ihrer Frauenärztin oder mit ihrem Frauenarzt sprechen. 
Viele Frauen sind daher erleichtert, wenn sie hören, dass sexuelle Probleme auch bei anderen vorkommen, und wenn sie von ihrem Frauenarzt erfahren, dass verschiedene organisch bedingte sexuelle Probleme unabhängig vom Alter lösbar sind. Mit zunehmender Lebenserwartung spielt die Sexualität auch in fortgeschrittenen Lebensphasen eine immer wichtigere Rolle. Diese Entwicklung wird sich weiter ausbreiten, weil zunehmend über Sexualität im Alter als ein natürliches Bedürfnis gesprochen wird (siehe z.B. den Film „Wolke 9“) und die Wissenschaft Möglichkeiten entwickelt hat, altersbedingte Potenzstörungen des Mannes durch Medikamente zu beheben (z.B. Viagra = sog. Blaue Pille).

Auch bei der Sexualität funktioniert der Beckenboden als Trampolin nur dann, wenn alle Struktu ren intakt sind. Dabei spielt es für den Beckenbodenbereich keine Rolle, ob es sich um eine Senkung der Scheide oder Gebärmutter durch geburtsbedingte Überdehnungen oder um Narben nach Operationen handelt. 
Die Folgen sind gleich und äußern sich als Missempfindungen oder Schmerzen beim Verkehr. Als sehr unangenehm wird weiterhin unkontrollierter Abgang von Urin, Winden oder Kot empfunden. 
Grundvoraussetzung für die Behandlung eines organisch bedingten Sexualproblems ist eine gezielte und umfangreiche gynäkologische Untersuchung, die nach den Ursachen des individuellen Problems sucht. Dadurch können z.B. narbige Veränderungen, eine zu weite Scheide, zerrissene oder erschlaffte Bänder als Ursache erkannt und operativ korrigiert werden.